Samstag, 7. November 2020

Nestgezwitscher mit Uta Baumeister

Was wäre eine Buchmesse ohne ein Autoreninterview? Richtig, nur eine Buchmesse. Deshalb habe ich mit der lieben Uta Baumeister ein bißchen gezwitschert und so ein paar kleine Einblicke in ihren Autorenalltag erhalten.

Uta, in deinem Roman "Der Klang der Schwalbe" ist Ruurd Feike van der Leij der Protagonist und gleichzeitig jemand, der die Geschehnisse selbst erlebt hat. Wie kam es dazu, dass gerade er ein Teil deines Buches wurde?

Nachdem ich 2019 einen Roman mit wahrem Hintergrund aus der Zeit des 2. Weltkrieges veröffentlicht hatte, kontaktierte mich ein Heimatforscher. Er fragte nach meinem Interesse, einen Roman über das Nazi-Projekt "Schwalbe 1" zu schreiben. Da ich mich tatsächlich bereits mit Recherchen dazu befasst hatte, stimmte ich einem Treffen zu. Dabei erhielt ich reichlich Informationsmaterial über das Projekt und seine traurige Geschichte. Gefesselt davon, beschloss ich, es zu einem Roman zu formen, aber nicht das Projekt, sondern die Menschen in den Vordergrund zu stellen. Daraufhin stellte der Heimatforscher den Kontakt zu Ruurds Familie her und ich erhielt die Genehmigung, Ruurds 1945 aufgeschriebenen Erinnerungen an seine Zeit als Zwangsarbeiter als Grundlage für den Roman zu nutzen. So entstand "Der Klang der Schwalbe".

In der Danksagung findet sich ein Hinweis, dass du deine Wurzeln im Hönnetal, wo "Schwalbe 1" entstehen sollte, hast.  Kannst du uns kurz deine Gefühle bzw. Gedanken beschreiben, während du den Roman geschrieben hast?

Meine Gefühle reichten von Entsetzen, Traurigkeit und Mitgefühl, bis hin zum Glück, dass ich Ruurd 75 Jahre nach Kriegsende ein Stimme geben durfte. Ich bin inmitten des Gebietes der damaligen Lager aufgewachsen. Nur wenige Kilometer waren es bis zum stillgelegten Steinbruch Emil, in dem sich die Spuren des gigantischen Nazi-Projektes befinden. Die räumliche Distanz war während der Schreibphase wichtig. Da ich in Schweden lebe, stellte dies kein Problem dar. Wohl aber, all das Grauen zu erfahren, das sich 1944/45 im Hönnetal abgespielt hat. Bis heute ist wenig darüber bekannt und "Schwalbe" ist nicht zugänglich. Ruurds Erinnerungen und Recherchegespräche mit ehemaligen Zeitzeugen machen den Roman authentisch.

Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet, bis er fertig war?

Rund zwei Jahre. Die Idee trug ich aber schon einige Jahre mit mir. Mit den Recherchen begann ich 2018, erste Plots entstanden. Als ich 2019 Ruurds Erinnerungen erhielt, änderte ich den Plot und arbeitete etwa ein Dreivierteljahr am Roman.

Von den Projekten "Schwalbe", denn es gab ganze fünf solcher Bauvorhaben, sind oder war in der Öffentlichkeit kaum etwas zu vernehmen. Was denkst du, warum das so ist bzw. war?

Das mag zum Einen an der Scham der Menschen gelegen haben, die das Nazi-Projekt dulden mussten. Man schwieg darüber, bis es in Vergessenheit geriet. Zum Anderen könnten es politische Gründe sein. Man möchte die anliegenden Städte nicht mit einem Ort der Schande in Verbindung bringen. Das ist aber nur meine persönliche Hypothese.

Du planst eine Art Fortsetzung des Romans, der den Titel "Der Ruf der Schwalbe" tragen soll. Wie kam es zu der Idee und wann können die LeserInnen mit dem fertigen Werk rechnen?

Ich stellte fest, dass das Thema sehr viel Potenzial birgt. Darum entschloss ich mich dazu, einen ersten Teil zu schreiben, der ausschließlich 1944/45 spielt. Der zweite Teil spielt in der Gegenwart und mit der Aufarbeitung der Vergangenheit. Er ist spannungsgeladen, da auch junge Lost-Place-Filmer in einem der Stollen verschüttet werden. Dies sorgt endlich weit über die Landesgrenzen hinaus für die nötige Aufmerksamkeit für das geheime Nazi-Projekt. "Der Ruf der Schwalbe" erscheint im Frühjahr 2021.

Wie können sich deine LeserInnen, deinen Schreiballtag vorstellen? Hast du bestimmte Rituale? Benötigst du absolute Ruhe?

Zunächst, ja, ich benötige absolute Ruhe, um tief in die Geschichte und die Charaktere eintauchen zu können. Darum ziehe ich mich während der Schreibphasen in die Einsamkeit zurück. Dort habe ich einen normalen Arbeitsalltag mit Struktur. Um sechs Uhr früh stehe ich auf und arbeite bereits vor dem Frühstück etwas zwei Stunden lang. Es folgt eine kurze Pause und Hunderunde, bevor ich mittags weiterschreibe. Während einer großen Runde mit dem Hund versuche ich den Kopf frei zu bekommen und stimme mich gedanklich auf einen weiteren Schreibverlauf ein. Am späten Nachmittag, wenn die Konzentration nachlässt, befasse ich mich mit Organisatorischem, dem Buchmarketing und plane Werbung etc. Gegen 18 Uhr beende ich meine Arbeit und es folgt Freizeit. Wobei es oftmals so ist, dass ich am späten Abend meine Texte lese und mir weitere Ideen einfallen.

Welche Frage würdest du gern in einem Interview gestellt bekommen? Und wie wäre die Antwort darauf?

Warum schreibst du? Diese Frage wird fast nie gestellt. Meine Antwort darauf wäre: "Weil es meine Passion ist."

Buchgefieder-Frage: Wenn du ein geflügeltes Tier sein könntest, welches wäre das und warum?

Eine Wildgans, weil sie als Zugvogel weit herumkommt ohne die Gemeinschaft zu verlieren.

Liebe Uta, ich danke dir sehr für dieses Interview und bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil deines Schreibprojektes um "Schwalbe 1". Ich wünsche dir noch viel Spaß auf der Onlinebuchmesse und vor allem wünsche ich dir immer gute Ideen zum Schreiben.

Zum ersten Teil ist hier bereits eine Rezension erschienen. 



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