Mittwoch, 6. Mai 2020

Regenbeins Farben - Kerstin Hensel

"Ich weiß, wo du bist." Nein, das weißt du nicht. Ich blicke aus dem Fenster. Der Friedhof wird kleiner und kleiner...


Karline Regenbein ist Malerin, allerdings eine, die im Schatten der Kunst ihr Dasein fristet. Ziva Schlott ist eine sehr betagte, exzentrische Kunstprofessorin. Lore Müller-Killian, die Gattin eines Industriellen hat einen Hang zum prickelnden Perlgetränk. Alle drei Damen sind Witwen und treffen sich regelmäßig auf dem Friedhof zur Grabpflege. Über ihnen schwirren die Flugzeuge verschiedenen Typs in der Einflugschneise. Dann kommt der scheue Galerist Eduard Wettengel in das Geschehen und die illustre Damenrunde wird mit allerhand Verwicklungen gehörig durcheinander gewirbelt.

"Regenbeins Farben" ist eine Novelle von Kerstin Hensel erschienen im Luchterhand Verlag. Die einem kleinen Drama gleichkommende Erzählung zeigt wunderbar die Verbindung aus Schicksal und Charakter. Die Figuren erzählen von wichtigen Ereignissen und Wendungen in ihrem Leben, so dass ihr Handeln und vor allem ihr Gemütszustand nachvollziehbar erscheinen. Allerdings haben sie sonst wenig Tiefe. Hier wird der Unterschied zu einem Roman sehr deutlich. Ereignisse sind wichtig, nicht der Handelnde. Nicht immer ist es ganz einfach für den Leser, das verwirrte Netz zu entknoten. Die Sprache hingegen ist frisch und besonders in den Beschreibungen sehr bunt.


Die Novelle hat einen zeitlich unbegrenzten Charakter, auch wenn "Regenbeins Farben" in der DDR-Zeit angesiedelt ist. Letzendlich wäre die Erzählung in der heutigen Zeit genauso vorstellbar. Der Verzicht auf längere Beschreibungen oder Erklärungen rund um ein bestimmtes Verhalten der Figuren, ist jedoch Geschmacksache. Mir persönlich hat dies weniger gut gefallen. Vielleicht auch, weil mir das bunte Treiben und Gehabe besonders der zwei älteren Damen mitunter sehr auf die Nerven ging. Karline Regebein hingegen machte unentwegt den Eindruck eines grauen Mäuschens. Eduar Wettengel blieb undurchsichtig. Seine Handlungen waren für mich am Wenigsten nachvollziehbar. Die Gegensätzlichkeiten mögen bei vielen eine Art humoristische Form haben, bei mir kam da leider nur ein Augenrollen zustande. Zum Lachen war mir bei dieser eher dramenbesetzen Komödie nicht zumute. Auch das Ende ließ mich nur mäßig erfreut zurück. Mir fehlte die Erkenntnis am Schluss, das Aha, der kommende Wendepunkt.


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Regenbeins Farben - Kerstin Hensel
Novelle - Luchterhand Verlag - Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-630-87601-6 - Preis: (D) 18,00 € / (A) 18,50 €



Kommentare:

  1. Huhu!
    Eine tolle Rezension! An mir ist dieses Buch bisher vorbei gegangen. Wäre glaube ich auch nicht mein Beuteschema gewesen, aber super, dass ich es durch dich es kennen lernen durfte.
    Liebe Grüße, Melli

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    Antworten
    1. Hallo liebe Melli,

      und vielen Dank! Ich habe das Buch ganz spontan in der Buchhandlung entdeckt.

      Ganz liebe Grüße
      Karin

      Löschen

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