Dienstag, 14. Januar 2020

Diebe und Vampire - Doris Dörrie

Ich will schreiben. Ich will erfolgreich sein. Doch ich finde immer wieder Ablenkung. Ich konzentriere mich auf Dinge, die mich vom Schreiben abhalten. Ich erfinde Ausreden. Aber ich will schreiben und Erfolg als Schriftstellerin haben.


Alice träumt davon, eine anerkannte Schriftstellerin zu werden. Doch sie hat keinen Plan, wie sie das am besten anstellen könnte. Im Urlaub in Mexiko trifft sie auf ihre Meisterin, eine amerikanische Bestsellerautorin. Alice bewundert sie, wie sie diszipliniert und voller Ehrgeiz jeden Tag in ihr Zimmer geht, um zu schreiben. Durch einen inhaftierten Jugendlichen kommen die beiden Damen ins Gespräch und Alice genießt fortan jede Minute, die sie mit der Meisterin verbringen kann. Als der Urlaub endet, trennen sich die Wege der beiden Frauen vorerst. Durch Briefkontakt verbunden hat Alice jedoch das Gefühl ihrer Meisterin immer noch nah zu sein. Doch nicht nur in Alice Leben läuft es zuweilen drunter und drüber, auch die Meisterin kämpft mit ihren eigenen Geistern.

"Diebe und Vampire" ist der Titel eines Buches von Doris Dörrie aus dem Jahr 2016. Der Titel spielt auf eine Aussage eine der beiden Protagonisten an. Die Geschichte der beiden Frauen plätschert sehr dahin und bietet kaum nennenswerte Höhepunkte. Der Schreibstil ist auch aufgrund der erfahrenen Autorin flüssig und angenehm. Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt und jeder Teil wirkt anfangs mehr mit den anderen verbunden, als er letztendlich ist. Die Figuren des Romans haben wenig Tiefe. Alice wirkt mit Anfang 20 wie 14 und kommt über diese Phase kaum hinaus. Am Ende des Buches, ist sie immerhin schon über 50. Sie wirkt unsympathisch und verwöhnt, geht meist den einfachen, aber nicht immer für jeden verständlichen Weg. Die Meisterin hingegen, scheint im ersten Moment exzentrisch. Denkt man zu Beginn noch an eine Diva, wandelt sich das Bild und sie wirkt eher labil. Hintergrundinformationen zu den Protagonistinnen gibt es nur spärlich. Das macht vor allem Lesern wenig Freude, die an Tiefe und nicht an Oberflächlichkeit interessiert sind.


Ich wurde weder mit der Geschichte, sofern man diese so nennen kann, noch mit den Hauptfiguren warm. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, das ich in der Luft schwebe und nie landen kann. Immer in der Hoffnung, es würde konkret etwas passieren oder Alice sich verändern. Leider trat nichts davon ein. Es war eher ermüdend, dass besonders Alice nicht aus Fehlern gelernt hat. Völlig fremd war mir ihr Verhalten, wenn es darum ging, etwas von Männern zu bekommen. Außerdem machten es mir die gesponnenen Geschichten von Alice zwischendurch schwer, sie vom Fortgang der eigentlichen Erzählung zu unterscheiden. Ein wirklich seltsames Lesegefühl machte sich breit. Das Ende frustrierte mich ebenfalls. Wer etwas von Doris Dörrie lesen möchte, sollte dieses Buch nicht als erste Wahl in Erwägung ziehen. Ich bin mir sicher, dass es Romane von Frau Dörrie gibt, die diese Bezeichnung verdienen.


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Diebe und Vampire - Doris Dörrie
Belletristik - Diogenes Verlag
Taschenbuch - ISBN 978-3-25724-365-9 - Preis: 12,00 Euro (D)


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