Dienstag, 6. August 2019

Arber, Arber, warum denn so viel Plastik?

Als ich Kind war, gab es selbstgemachte Klöße und Kartoffelpuffer bei Oma. Es gab Kartoffelpüree, der nach Kartoffelwolken schmeckte. Selbstgemachte Kartoffelsuppe, die für eine ganze Kompanie gereicht hätte. Damals haben meine kleinen Hände die Erdäpfel (Arbern) in Opas Garten oder beim Stoppeln aus der Erde geholt.


Betrachtet man die Kartoffel, wird man feststellen, dass sie bereits ihre ganz eigene Verpackung besitzt. Dennoch wird sie heute in Plastik oder Netzfolien verpackt und mit einem Foto des Inhalts versehen. Selten sieht man sie einzeln liegend, darauf wartend, dass sich jemand ihnen mit einem eigenen Gemüsenetz (z. B. aus Baumwolle) nähert. Die kleinen Gemüseläden, die ich noch aus meiner Kindheit kenne, werden weniger und weniger. Auch wenn Wochenmärkte sich großer Beliebtheit erfreuen und Unverpacktläden in aller Munde sind, die meisten Kartoffeln werden im Supermarkt um die Ecke gekauft. Da erstaunt es nicht, dass rund um die tolle Knolle Plastik und andere Verpackungen en masse existieren. Glaubt ihr nicht? Dann will ich euch gern ein paar Beispiele näher bringen.

Als normaler Verbraucher und Kartoffelliebhaber kaufe ich, wenn möglich, einzelne Knollen oder baue einige Pflanzen im heimischen Garten an. Dennoch bin auch ich nicht frei von Schuld und so landen leider auch Kartoffelnetzfolien in meinem Hausmüll. Hier lohnt es sich, darüber nachzudenken, was ich tun kann. Gemüsenetze aus Baumwolle sind ein Anfang. So versuche ich so oft wie möglich, loses saisonales Obst und Gemüse zu kaufen. Ich schäle die Kartoffeln selbst, ich koche sie in Salzwasser und verzehre sie dann als Salzkartoffeln oder Püree. Ich schneide sie in Scheiben und mache Bratkartoffeln. Klein geschnitten mit Suppengemüse wird eine leckere Kartoffelsuppe daraus. Als Pellkartoffeln ergeben sie einen wunderbaren Kartoffelsalat. Stampfen geht auch, für Klöße (oder Knödel) zum Beispiel. Selbst Pommes Frites könnte ich selbstmachen, wenn ich wollte. Ihr seht, dieses Gemüse ist vielseitig einsetzbar.

Viele wissen sicherlich, dass man Kartoffeln in drei verschiedene Kocheigenschaften einteilt. Aber die Wenigsten kennen richtige Kartoffelsorten. Oder würden euch auf Anhieb jetzt fünf Sorten einfallen? Dabei gibt es mehr als 2000 verschiedene Sorten auf der ganzen Welt. Vielleicht wird deshalb auch zum Convenience Food gegriffen. Die tolle Knolle gibt es vorgeschält und vorgekocht in Plastik eingeschweißt, zusammen mit Natriummetabisulfi (E223). Fertige Bratkartoffeln sind in Folie eingelegt und umhüllt von einem Karton verfügbar. Als Kartoffelsalat in Plastikbecher oder -eimern. Suppe kann man in Dosen, als Trockenprodukt oder in Plastikschläuchen erwerben. Kartoffelpüree gibt es als Trockenflocken, ebenfalls mit Plastik und Kartonage umhüllt. Tiefgekühlt gibt es Kartoffelsuppe, Pommes, Kroketten, Wedges, Kartoffelpuffer, Gratins und weiß der Geier noch für Produkte. Immer schön in Kartons und nicht selten in Plastik verpackt. 


Ich frage mich, warum?? Natürlich wäre es vermessen zu glauben, dass es bei der eigenen Herstellung all dieser Kartoffelvarianten keinen Plastikabfall geben würde. Dem ist nicht so! Allerdings kann ich den ungeliebten und umweltschädlichen Müll auf den kleinsten Teil reduzieren, der mir möglich ist. Wenn ich Kartoffelsalat mache, dann brauche ich Kartoffeln (die ich einzeln kaufen kann), Salz und Pfeffer (aus Gewürzgläsern), Zwiebeln (einzeln gekauft), Gewürzgurken (aus einem Glas), Mayonaise (aus einem Glas oder eigener Herstellung), Öl (aus einer Glasflasche), eventuell Ei (natürliche Verpackung, Eier aus dem eigenen Hühnerstall) und auch Senf (aus dem Glas). Sollte eines der Produkte in Plastik gehüllt sein, dann reduziert sich der Müll dennoch zum Convenience Produkt. Mal abgesehen, dass selbstgemachter Kartoffelsalat viel besser schmeckt.

Wer bis hierher gelesen hat, dem verrate ich jetzt, dass mich die liebe Astrid mit ihrem Beitrag (siehe unten) zum Rührei aus dem Tetrapack, auf ein ganz anderes, für mich sehr unsinniges Kartoffelfertigprodukt gebracht hat. Kartoffelpüree zum Anrühren. Sorry, aber dafür fehlt mir das Verständnis der Notwendigkeit. Auch wenn diverse Hersteller damit werben, 100% deutsche Kartoffeln in ein Trockenprodukt verwandelt zu haben. Es sind selbstverständlich Inhaltsstoffe drin, die in einem Kartoffelpüree nichts zu suchen haben. Diphosphate zum Beispiel. Ein Emulgator, der vor allem Wasser bindet. Oh wunder! Soll der Brei doch quellen und dabei schön fluffig werden. Mal abgesehen davon, dass das Convenience Produkt salzig und nur ansatzweise nach Kartoffeln schmeckt, ist ein Püree aus eigener Herstellung keine Wissenschaft. Kartoffeln schälen, vierteln oder noch kleiner schneiden, kochen, abgießen, mit Salz und Milch, eventuell etwas Muskat zu einem Püree stampfen oder Mixen. Fertig und total einfach, oder? Wer will, kann noch etwas Butter hinzufügen. Ha! Da ist es endlich, das Plastik. Ja, aber ich gebe kein ganzes Stück Butter dazu. 250g Butter würde für mindestens 15 mal Püree reichen. Beim Trockenprodukt habe ich bei jeder Zubereitung mindestens eine Folientüte zum Wegschmeißen, einen Karton nach drei Zubereitungen. Im Vergleich macht das eine Butterfolie gegen mindestens 15 Folientüten und 5 Kartons.

Warum gibt es also solche Produkte? Weil wir bequem geworden sind. Weil viele eine Art Vorratshaltung entwickelt haben. Weil wir verlernt haben, dass Essen kochen nicht nur dazu dient, satt zu werden. Weil es manchmal billiger ist. Weil wir verlernt haben, wie etwas schmeckt. Weil wir uns die Zeit zum Kochen nicht nehmen wollen. Traurig, aber wahr. In der heutigen Zeit muss diese immer effizienter genutzt werden. Kein Innehalten und Besinnen, dass man vieles ganz ohne Hexenwerk selbermachen kann. Ich benutze schon immer sehr wenig Convenience Produkte, aber auch die kann ich noch reduzieren. Bewußter mit unseren Lebensmitteln umgehen, mit richtigen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. Meinen Kindern vermitteln, dass Kochen und Backen Spaß macht, dass es sich lohnt, sich dafür Zeit zu nehmen. Nicht immer einfach, ich weiß.

Dieser Beitrag soll niemanden anprangern, der sich für Fertigprodukte entscheidet. Es soll vielmehr aufzeigen, dass sich viele nicht bewusst sind, was sie da essen und wie viel Verpackungsmüll dabei entsteht. Diese Zeilen sind meine Gedanken zur Blogtour "Weniger Plastik ist mehr" von Leckere Kekse, bei der bereits die nachfolgenden (öffentlichen) Beiträge erschienen sind. Diese Liste wird stetig bis zum Ende der Blogtour am 15. September 2019 aktualisiert.


Leckere Kekse - Zero-Waste- Bücher
Ecco Le Marche - Pesce Azzurro
Coyote Diaries - Mehrweg-Kaffeebecher to go
Modewerkstatt - Es ist nie zu spät



Kommentare:

  1. Halöchen =)

    ich finde das ist ein ganz toller Beitrag! Seit Jahren mache ich mir schon Gedanken darüber wie ich bewusster einkaufen und auch essen kann. Meine Tochter und ich haben letztes Jahr versucht Plastik zu fasten. Wir haben total motiviert und euphorisch angefangen, haben aber mit der Zeit immer mehr Frust empfunden. Es kam uns vor wie ein Kampf gegen Windmühlen und wir sind mit der Zeit schier untergegangen in all dem Verpackungsmüll. Wir haben nur ein paar Dinge für uns gefunden, die sich super einfach in unseren Alltag integrieren lassen: keine Plastiktüten kaufen, Lebensmittel lose oder im Glas kaufen. Außerdem haben wir seit letztem Jahr einen Anteil bei einer solidarischen Landwirtschaft. Wir bekommen jetzt also jede Woche einen Korb mit regional angebautem frischen Gemüse und Obst. Ich denke das ist bisher unser größter Erfolg in dieser Richtung. Dadurch haben wir ganz neue Lebensmittel kennen- und verarbeiten gelernt und ich behaupte mal, dass dadurch auch die Wertschätzung etwas größer geworden ist. Wir wissen also wo unsere Kartoffeln herkommen (können sie sogar selbst ausbuddeln wenn wir Lust haben) und kennen mittlerweile sogar ein paar verschiedene Sorten ^^.
    Trotzdem bin ich bis heute nicht fähig einen schmackhaften Kartoffelbrei zu zaubern. Daran arbeite ich noch.

    LG
    Anja

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    1. Hallo liebe Anja,

      vielen Dank. Du hast Recht, manchmal denke auch ich, dass diese Aufgabe einfach viel zu groß für den Einzelnen ist. Dennoch muss einer anfangen, ein zweiter mitmachen usw.. Wir sollten optimistisch sein und nicht müde werden, wenigstens mit kleinen Schritten immer mehr Menschen davon zu überzeugen, sich Gedanken über ihren Konsum und den damit entstehenden Müll zu machen. Ich finde es großartig, dass ihr bereits einen Weg gefunden habt, der für euch funktioniert.

      Ganz liebe Grüße
      Karin

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  2. Toller Beitrag. Er macht viel Lust darauf sich sofort an den Herd zu stellen und zu kochen.
    Ich gebe zu, dass bei uns auch Pfanni-Pürree im Schrank steht. Meine jüngere Tochter liebt das und macht es sich als Zwischenmahlzeit mit Ketchup ( der ist immerhin im Glas) . Ich werde ihr diesen Artikel zeigen.
    Der Rest Kartoffeln wird bei uns selbst gekocht. Unser Supermarkt hat sie einzeln, so kaufe ich sie auch, damit sie direkt verbraucht werden können.
    Vielen Dank für den Beitrag und deine Teilnahme an der Blogtour!
    Liebe Grüße
    Silvia

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    1. Hallo liebe Silvia,

      vielen Dank und schön, wenn mein Beitrag zum Kochen animiert. Ich kann deine Tochter durchaus verstehen. Wenn man für sich allein Kartoffelbrei machen will, machts kaum Spaß. Mein Bruder hat in seiner Lehrlingszeit ebenfalls zur Tüte gegriffen. Erst seit ich ihm Kartoffelpüree vor die Nase gesetzt habe, hat er damit aufgehört. Der Geschmack eines selbstgemachten Pürees ist einfach leckerer. ;)

      Ganz liebe Grüße
      Karin

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  3. Das spricht mir sehr aus dem Herzen. Ich habe inzwischen sehr viel Spass daran, Sachen selber zu machen: Die Pürees und die Klöße schon länger, aber inzwischen versuche ich mich auch an gekörnter Brühe und eingesalzenem Gemüse anstelle von gekauften und oft mit Geschmacksverstärker versehen Würzpasten. Weiterhin viel Spaß mit den Kartoffeln!

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    1. Hallo und vielen lieben Dank.

      Stimmt selbermachen macht Spaß und es lässt einen stolz zurück. Klöße mache ich sehr selten, weil sie keiner hier isst, außer ich. Ich finde es grandios, dass es wieder so viele gibt, die sich des natürlichen Geschmacks erinnern und Fertiggerichte mehr und mehr ablehnen.

      Ganz liebe Grüße
      Karin

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  4. Liebe Karin,
    was für ein toller Beitrag zum Thema „weniger Plastik ist mehr“!
    Auf dem Bauernhof meiner Eltern gab es auch jedes Jahr Kartoffeln im Garten und für den Winter wurden sie dunkel und frostfrei gelagert. So kamen wir gut über den Winter.
    Auf einem Bauernhof gibt es genug Platz, um große Mengen Kartoffeln zu lagern. Heutzutage werden in den modernen Wohnungen kaum noch kühle und dunkle Vorratskammer mit eingeplant. Ich denke, dass ist einer der Gründe weshalb gerade in der Stadt viele Menschen Kartoffeln in kleinen Mengen kaufen. Wer größere Mengen kauft wird schnell, bei unsachgemäßer Lagerung, auskeimende Kartoffeln bekommen und die müssen dann weg. Denn beim Auskeimen entstehen bei der Kartoffel, die ja ein Nachtschattengewächs ist, giftige Stoffe, die auch leider hitzebeständig sind.
    Viele machen es sich da zu einfach und denken nicht darüber nach, wie man Kartoffeln besser lagern kann. Auch wir kaufen regelmäßig Kartoffeln, weil wir keinen kühlen Keller haben, allerdings in Papiersäcken. Aber Kartoffelpüree, Bratkartoffeln und auch Kartoffelsalat mache ich selbst. Ich finde die eigenen Rezepte viel schmackhafter, als die der Fertigprodukte. Außerdem weiß ich genau was sich letztendlich auf unseren Tellern befindet. Und, liebe ich es die Rezepte meiner Mutter zu erhalten.
    Ich danke dir für diesen Beitrag und wünsche dir einen schönen Abend.

    Liebe Grüße
    Annette

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    1. Hallo liebe Annette,

      vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Du hast vollkommen Recht, dass es in einer Stadtwohnung schwierig mit der Lagerung von Kartoffeln ist. Mit dem Thema Vorratshaltung wollte ich vor allem darauf aufmerksam machen, dass man nicht immer alles und jederzeit verfügbar haben muss. Ich bin mir bewusst, dass ich hier ganz andere Möglichkeiten auf dem Land habe. Aber auch hier gibt es genug Menschen, die noch nie eine eigene Gurke oder Tomate in ihrem Garten angepflanzt haben, was ich sehr bedauerlich finde. Stattdessen ist bei uns im Supermarkt das Convenience Food sehr gefragt, was mich auch etwas wütend macht. Wie du schon sagst, eigene Rezepte sind schmackhafter und das Kartoffelpüree meiner Oma sowieso, auch wenn es mir bis heute nicht 1:1 gelingt. ;)

      Ganz liebe Grüße
      Karin

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