Donnerstag, 28. September 2017

Die Poesie des Tötens - Andrea Fehringer, Thomas Köpf


Warum schrei ich es nicht einfach über den Tisch? Hier sitzt er, der Mörder und isst mit uns gemeinsam zu Abend. Hält Smalltalk, dieser Psychopath! Dabei hat er keinerlei Respekt vor dem Leben, keinen Respekt vor einer Familie. Annas Vater ist auch da. Er ist Kriminalbeamter. Was würde passieren? Würde man mir glauben? Was wäre dann mit Ella? Meiner süßen kleinen Ella...


Max West ist ein erfolgreicher Schriftsteller und Ghostwriter. An einem wunderbaren Sommertag klingelt sein Telefon. Christopher Kleist möchte, dass Max ein Buch schreibt, sein Buch, seine Geschichte. Genervt und doch nachgebend bittet Max den Mann in sein Büro. Nichts ahnend, dass Christophers Geschichte "Betriebsanleitung eines Serienkillers" bereits mit diesem ersten Besuch beginnt. Max muss diese Geschichte schreiben, obwohl sich alles in ihm sträubt. Auch wenn er angewidert ist und sich gefangen fühlt. Christopher hat ein Druckmittel. Max Tochter Ella...

"Die Poesie des Tötens" ist ein Thriller, der vor allem nichts für schwache Nerven ist. Die Beschreibungen der einzelnen Morde sind nicht nur blutig, sondern können auch einmal zum Weglegen des Buches führen. Dabei steht dann vor allem die Frage im Raum, ob man eher angewidert oder fasziniert ist. Trotz dieses Kopfkinos bleibt die Spannung ab und an auf der Strecke. Einige Szenen wirken aufgesetzt, ziehen sich unnötig in die Länge, während andere nicht tief genug gezeichnet sind. Besonders die Protagonisten bleiben an manchen Stellen flacher, als sie es sein sollten. So kann man den Serienkiller Christopher nicht recht greifen, auch wenn er in seinen Handlungen abstoßend wirkt. Max, der Ghostwriter bricht zu wenig aus. Er ergibt sich quasi seinem Schicksal. Die Wut, die ich an seiner Stelle spüre, spricht nicht wirklich aus ihm heraus. Einzig seine Frau versucht als Psychologin tiefer in Christopher hinein zu schauen.


Die Treffen der Freunde im Haus an den Freitagen könnte man als abgehoben und aufgesetzt empfinden, obwohl dies vor allem einer Art Pause im Geschehen gleichen soll, sind einige der Dialoge eher zäh, als unterhaltsam. Die Veränderungen, die mit dem Paar, dass seine Tochter vermisst einher gehen, bleiben viel zu lange unbemerkt. Der Eindruck von Oberflächlichkeit entsteht dabei sehr schnell. Immer wieder verliert der Plot so an Fahrt, um dann erneut mit einem doch eher schnellen Ende für leicht getrübten Lesegenuss zu sorgen. Als Leser, der wirklich gern Thriller liest, wirkt dieses Buch mir zu wenig nach. Es ist mit seiner Geschichte und mit seinen Figuren viel zu schnell aus dem Kopf verschwunden. Der Schreibstil ist gut, was nicht verwundert, da die beiden Autoren bereits mehrere Bücher im Sachbuchbereich veröffentlicht haben und mit Sprache umzugehen wissen. Die Story gibt viel her, vor allem weil dem Plot eine wahre Begebenheit zu Grunde liegt. Es ist zwar für einen normalen Verstand schwer vorstellbar, aber dennoch nicht unmöglich, dass genau so eine Geschichte passieren könnte. Dennoch ist mir der Thriller zu flach. Bestimmte Szenen sind vorhersehbar, was mich als Thrillerleser meist nervt.

Auch wenn diese Rezension den Anschein erweckt, dass ich das Buch nicht weiterempfehlen würde , muss ich sagen, dass Leser, die auf weniger tiefgründige Figuren aus sind, dafür aber auf finstere Minen, abartige Mordszenen und eine Menge Blut stehen, mit "Die Poesie des Tötens" bestens versorgt sind. 


Die Poesie des Tötens - Andrea Fehringer, Thomas Köpf
Thriller - Taschenbuch - Pro-Talk Verlag
ISBN 978-3-939-99027-7 - Preis: 14,90 € (D)


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