Mittwoch, 1. Mai 2019

Morgengrauen - Selahattin Demirtas

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem du jederzeit für deine Meinung inhaftiert werden kannst. Stell dir vor, du bekommst nicht den Job, den du gern ausüben möchtest. Stell dir vor, du lebst in einer Familie, die traditioneller nicht leben könnte. Und nun stell dir vor, du wärst in diesem Land, in dieser Familie eine Frau.

Samstag, 27. April 2019

Mittwoch, 3. April 2019

"Habe die Ehre, Wien!"

Vor nun mehr fast 6 Monaten waren meine zwei Teeniegefieder und ich in einer Stadt, in die wir schon lange mal reisen wollten. Nun habe ich entdeckt, dass es zu dieser wunderbaren Metropole eine Blogparade auf vielove.at gibt. Anlaß genug, euch endlich ein wenig von unserer Kurzreise zu berichten.


Was kommt einem als Erstes in den Sinn, wenn man an Wien denkt? Bei uns waren das Sachertorte, Stephansdom, Fiaker, Prater, Sissi, Schloss Schönbrunn und Schloss Belvedere. Wir stiegen also in den Zug und fuhren über Prag nach Wien. Als Unterkunft hatten wir uns eine wunderschöne Dachgeschosswohnung gleich in der Nähe des Hauptbahnhofes gebucht und waren damit die kompletten 5 Tage sehr zufrieden. Wien empfing uns Anfang Oktober mit herrlichem Sonnenschein. Unser erster kleiner abendlicher Stopp am Anreisetag war Schloss Belvedere nur 15 Gehminuten entfernt. Ein beeindruckendes Schloss mit einer wundervollen Parkanlage. 


In den nächsten zwei Tagen gab es das volle Touri-Programm. Erst Albertina, dann Hofburg, kurzer Blick in die spanische Hofreitschule, rein ins Silbermuseum, danach die Österreichische Nationalbibliothek. Was für eine imposante Sammlung in einem noch viel imposanteren Gebäude. Sicherlich nicht verwunderlich, dass ich da am liebsten eingezogen wäre. Aber die Pubertierchen hatten Hunger und so gab es Mittagessen beim Italiener. Dann ab zum Stephansdom, drinnen wie draußen ein Bauwerk der besonderen Art. Am Nachmittag Sachertorte essen, logisch, wo wenn nicht hier. Frisch gestärkt ins Time Travel und etwas über die Geschichte Wiens erfahren. Abends Fiakerfahrt durch Wien. Unser Fahrer eine echte Plaudertasche, ursprünglich aus Ungarn, seit mehreren Jahren in Wien. Ein klasse Stadtführer! Besonders die Mädels hatten viel zu lachen. Dass wir nach diesem Tag hundemüde und flügellahm ins Bett gefallen sind, dürfte nicht verwundern. Und das war jetzt nur der erste Tag!


Am zweiten Tag sind wir dann erst zum Schloss Schönbrunn gefahren, haben uns gegen die Ausstellung entschieden, da wir zwei Stunden Wartezeit vor uns gehabt hätten. Es war grandios schönes Wetter, also sind wir lieber durch den Park gewandelt, haben den Irrgarten besucht, uns im Zoologischen Garten von Schönbrunn wiedergefunden und den Giraffen beim Fressen zugesehen. Zum Mittag haben wir einen leckeren Hotdog verspeist und  sind dann von Schönbrunn zum Wiener Prater mit der Bahn gefahren. Hier musste ein Besuch bei Madame Tussards unbedingt sein. Lustige Selfies mit den Stars aus Wachs machen, der Hit bei den Mädels. Gleich gegenüber sind wir dann Prater Riesenrad gefahren. Da wir noch Zeit hatten und das Wetter einfach nur herrlich war, wurden auch andere Fahrgeschäfte ausprobiert, schokolierte Früchte und Eis gegessen. Abends besuchten wir das Naturhistorische Museum, weil es bis 21 Uhr geöffne hatte. Und danach? Dreimal dürft ihr raten. Ab ins Bett...gute Nacht!


Klingt anstrengend? Die ersten beiden Tage waren es auch. Aber wir hatten eine vienna card und die wollte wir ausgiebig nutzen. Verständlicherweise waren die Mädels froh, als Mama das Touri-Programm für beendet erklärt hat. Aber so anstrengend die ersten Tage waren, so schön waren sie auch. Wir haben vieles gesehen. Dennoch wurde dann nur noch gebummelt und auf andere Weise Eindrücke gesammelt. Wir haben uns einfach in verschiedene Buslinien gesetzt und so unsere eigene Stadtrundfahrt gemacht. So konnten wir noch ein paar Wiener Stellen sehen, die nicht touristisch überfüllt waren. Selbstverständlich mussten wir auch in diverse Buchhandlungen und Shops, die besonders auf der Wunschliste der Mädels standen. 


Könnten wir sagen, was uns am meisten gefallen hat? Nicht wirklich. An Kunst und Kultur hat Wien eine Menge zu bieten und wir haben bei weitem nur einen Bruchteil dessen gesehen. Die Menschen, denen wir begegnet sind, waren stets freundlich, hilfsbereit und irgendwie auch ab und an weniger gestresst. Wir haben die Wiener als ruhiges und offenherziges Völkchen erlebt. Wien ist nicht nur historisch interessant. Es ist bunt an allen Ecken. Die Stadt hat ein ganz besonderes Flair, welches wir nicht speziell betiteln können. Es war das Ganze, die Atmosphäre, die Menschen, die Bauwerke. Alles was und wie wir es erleben durften. Und genau das hat uns sagen lassen: "Habe die Ehre, Wien! Wir sehen uns bald wieder!".


Montag, 1. April 2019

Fliegen - Albrecht Selge

Ihr Leben ist anders und doch ist es schön. Manchmal ist sie nur da, manchmal mittendrin. Sie ist gern allein, mal mehr, mal weniger. Sie lebt nach einem Plan, doch manchmal bricht sie aus. Wenn sie aus dem Fenster sieht und weiß, dass sie mit ihren Füßen nicht den Boden berührt, dann hat sie das Gefühl, sie würde fliegen.


Eine Frau, betagteren Alters ist auf einer Reise. Einer Reise, die ihr Leben ist. Ein Leben im Zug. Mit einer Bahncard 100. Ihre Habseligkeiten verstaut in nur einer einzigen Tasche. Keine Wohnung, kein Mann, keine Kinder, keine Arbeit. Eine beste Freundin, die nicht weiß, dass sie im Zug lebt. Nur das tägliche Flaschensammeln in den deutschen Zügen um ihren Notgroschen aufzustocken. Abwechslung bieten die verschiedenen Mitreisenden, die Pendler, die sie immer wieder in den Zügen trifft. Mit ihnen unterhält sie sich, spielt mit ihnen oder genießt ein Frühstück, welches ihr ausgegeben wird. Ihr Leben führt sie zwischen Umsteigen, Bahnhöfen, Wartebereichen und kleinen Bistros, immer verbunden mit der unterschwelligen Angst, einen der nächsten Züge auf ihrem Plan nicht zu erreichen.

In "Fliegen" beschreibt Albrecht Selge mit seiner Protagonistin ein Leben, welches für viele von uns nur sehr schwer vorstellbar ist. Ruhelos und gar orientierungslos kommt einem da als erstes in den Sinn. Doch im Grunde ist es das nicht. Das Leben der Protagonisitin, die namenlos im Roman lebt, ist minimalisiert. Sie beschränkt sich auf das Wesentliche und nicht auf den Ballast. Dennoch wird auch ein gewisser Widerspruch deutlich, denn so sehr sie sich mit dem Leben im Zug arrangiert hat, spürt man in einigen Zeilen den Wunsch nach einem "normalen" Alltag. Einem Alltag allerdings in dem sie nicht gewissen Zwängen ausgesetzt ist, in dem sie würdevoll behandelt wird. Ein Leben, dass hätte anders verlaufen können, vielleicht sogar müssen. Ihre Tasche ist nicht schwer, ihr Herz manchmal schon.


Der Schreibstil war etwas gewöhnungsbedürftig, was vor allem an den abgeschnittenen Sätzen liegt. Mein persönlicher Lesefluss wurde somit an einigen Stellen etwas ausgebremst. Allerdings wird so auch deutlich, wie wenig geradlinig das Leben der Protagonistin im Zug ist und das obwohl sie nach einem festen Plan fährt. Auch wenn sie es als eine Art Ruhezustand empfindet, sich im Zug in einer Art Fliegemodus zu befinden, so merkt man doch schnell, dass sie dennoch auf der Suche ist und sich ihre Gedanken und Gefühle von Zeit zu Zeit überschlagen. Doch Mitleid will der Autor nicht hervorrufen. Vielmehr schleichen sich Gedanken ein, die sich jeder stellen kann. Was wäre wenn? Wäre ein Leben im Zug eine Alternative? Wie sollte das funktionieren?

Für einige mag der Gedanke in einem Zug zu leben, etwas von Freiheit haben. In gewisser Weise ist die Protagonistin auch frei. In alltäglichen Dingen, wie dem Waschen der Wäsche, der Hygiene am eigenen Körper, dem Schlafen ist allerdings auch Improvisation gefragt. "Fliegen" ist eine Geschichte über das Weitermachen, dass nicht Unterkriegen lassen und das nach vorne schauen, auch wenn es nur zur nächsten Bahnverbindung ist. Es ist ein Roman, in dem die Protagonistin ihre Hoffnung und ihre Selbstachtung nicht verliert. 


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Fliegen - Albrecht Selge
Belletristik - Gebundene Ausgabe - Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-737-10067-0 - Preis: 20,00 €




Freitag, 29. März 2019

Ein komischer Vogel - Michael Engler - Joelle Tourionias


Warum können meine Geschwister fliegen? Wieso sind meine Flügel so klein? Warum schaffe ich es nicht, einen Regenwurm aus der Erde zu locken. Warum bin ich so anders? Wozu ist das denn gut?


Als die Amselmama in ihrem Nest ein riesiges Ei entdeckt, ist klar, dass dies unmöglich ihr eigenes sein kann. Doch weil es viel zu schwer ist, um es zu bewegen, entschließt sie sich, zu warten, was aus dem Ei schlüpfen wird. Genau wie ihre eigenen Eier wärmt sie das große mit ihrem Gefieder. Gerade als sie beginnt sich Gedanken um das Wesen in dem Ei zu machen, bricht die Schale. Doch kein Vogel steckte im Ei. Es ist ein kleiner Drachen. Und der will einfach nur so sein wie seine Amselgeschwister...

"Ein komischer Vogel" von Michael Engler ist ein Kinderbuch zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren, welches sich mit der Frage beschäftigt, ob anders sein etwas bedeutet. Ob und wie das Umfeld auf dieses Anderssein reagiert. Es zeigt, dass der Halt innerhalb der Familie wichtig ist, damit sich das Kind entfalten kann, damit es sich selbst findet und liebt. Nicht nur mit Worten sondern auch mit wundervollen Illustrationen, gezeichnet von Joelle Tourionias, wird den Kindern deutlich, dass die Liebe und das Verständnis der Familie dazu führen kann, dass man etwas schafft, was andere nicht erwarten. Dieses Buch erzählt mit einer kindgerechten Erzählweise, warum anders sein nichts Schlechtes ist. Viel mehr vermittelt es die Botschaft, dass man von anderen auch immer etwas lernen kann, dass man seinen gewohnten Kreis verlässt und somit neue Dinge zulassen kann. 

Dieses Kinderbuch ist selbstverständlich auch zum Selberlesen geeignet. Besonders durch die Illustrationen, die vor allem auch bei dem einen oder anderen Erwachsenen einen kurzen Entzückungsseufzer hervorrufen könnten, ist es eine Geschichte, die die Tiere im Buch lebendig werden lässt. Die Textpassagen sind nicht zu lang und in einer Sprache geschrieben, die nicht schwierig, aber auch nicht langweilig ist. "Ein komischer Vogel" ist ein Buch für Mädchen und Jungen. Egal ob Tag oder Abend, Sommer oder Winter, den kleinen Drachen als Protagonisten schließt man einfach ganz schnell in sein Herz.



Werbung:
Ein komischer Vogel - Michael Engler - Joelle Tourionias
Kinderbuch ab 4 Jahren - Gebundene Ausgabe - Annette Betz Verlag
ISBN 978-3-219-11763-5 - Preis: 14,95 €

Montag, 25. März 2019

60.212 Schritte durchs Bücherland...


Laut Veranstalter besuchten vom 21. bis 24. März 2019 286.000 Menschen die Leipziger Buchmesse. Ohne mich wären es nur 285.999 gewesen. Ich war an allen vier Tagen auf der Messe und habe nebenbei meine ganz eigene Statistik geführt. Grund genug, mal einen Messebericht zu schreiben, den ich so noch nie in die Tasten gehauen habe.


Auch in diesem Jahr konnte die Leipziger Buchmesse einen erneuten Rekord verbuchen. Im Vergleich zu 2017 kamen rund 1000 Menschen mehr auf die Leipziger Buchmesse. Ich habe wirklich das Gefühl, ich habe sie alle gesehen. Statistisch gesehen macht das Jahr 2018 keinen so guten Eindruck. Aber wie auch, da hingen viele Bücherwürmer im winterlichen Chaos fest. 
Gastland war in diesem Jahr Tschechien. 60 Autoren haben den Weg auf sich genommen und sind nach Leipzig gefahren, um auf ca. 130 Veranstaltungen ihre Werke zu präsentieren. In diesem Jahr waren insgesamt 2547 Aussteller aus 46 verschiedenen Ländern auf der Buchmesse vertreten. 

Doch wie sieht meine eigene Statistik denn nun aus? Schrittzahlen? Lesungen? Autorentreffen? Umarmungen?

Wenn ich mir die Arbeit meiner Füße so betrachte, dann kann ich nur eines sagen. Respekt. Gerade am Freitag haben sie mich 18.424 Schritte weit getragen. Das war übrigens der Tag mit den meisten Schritten. Die wenigsten verzeichnete der Sonntag, was nicht verwunderlich ist, denn da hatte der Po mehr zu tun. An diesem Tag brannten die Füße nicht mehr für sondern wegen der Messe. Hier waren es nur 11.276 Schritte. Insgesamt komme ich an allen vier Tagen auf 60.212 Schritte, was bei meiner Schrittlänge ca. 34 km sind, was wiederum bedeutet, dass ich einmal vom Leipziger Markt zum Marktplatz nach Halle gelaufen bin.


Lesungen habe ich in diesem Jahr sehr wenige besucht. Genaugenommen waren es nur drei und ein Vortrag. Bei den drei Lesungen waren zwei von Poetry Slammern. Im Nachhinein finde ich das selbst etwas wenig und ich frage mich, was ich die ganze Zeit auf der Buchmesse noch so getrieben habe. Ach ja, da waren auch noch zwei Interviewtermine. Am Donnerstag durfte ich Albrecht Selge und am Samstag Ewald Arenz mit meinen Fragen löchern. Beide Gespräche waren wunderbar sympathisch, so dass ich langsam das Gefühl habe, meine "panische" Anspannung vor solchen Terminen wird von mal zu mal weniger.

Selbstverständlich habe ich auch einige lange oder kurze Gespräche mit Verlagen geführt. Von den 2547 Ausstellern habe ich 11 mit meiner Anwesenheit beehrt, was noch nicht einmal einem halben Prozent entspricht. Auch hier gibt es also noch sehr viel Luft nach oben. In diesem Jahr habe ich nur ein einziges Bloggertreffen besucht. Am Rowohltstand tummelten sich sehr, sehr, um nicht zu sagen, wirklich sehr, sehr viele Bloggerinnen und Blogger. Wenn ich ehrlich sein darf, für mich waren es schon wieder zu viele. Bei solchen Ansammlungen finde ich es immer etwas schwierig, gute Gespräche zu führen. Manchmal ist weniger mehr, aber nun ja.


Bleiben wir trotzdem beim Thema Bloggerinnen und Blogger, Verlagsmenschen und andere Bücherwürmer. Ich habe Umarmungen gezählt. Jeden Tag. Auch hier stach der Freitag weit heraus. 36 Stück waren es an dem Tag. Insgesamt kam ich an allen vier Tagen auf 115 Umarmungen. Ich habe jede einzelne genossen. Es gab lange Umarmungen, kurze Umarmungen, schüchterne Umarmungen und Menschen, denen ich meine Umarmung liebevoll aufgezwungen habe. Jede dieser Herzlichkeiten war mir ein Fest und wird in meinem Herzen solange stehenbleiben, bis ich diese Herzmenschen wieder umarmen kann. Selbstverständlich sind dabei auch einige Selfies entstanden. Auf meinem Handy befinden sich 11 Stück, was bedeutet, dass ich einfach zu wenig fotografiert habe, bzw. die Fotos von Anderen gemacht wurden und sich somit nicht in meinem Besitz befinden. 

Und um das ganze jetzt abzuschließen und zahlenmäßig nach unten zum Punkt zu bringen, möchte ich hier ein rebellisches Geständnis machen. Es gibt in meiner Statistik auch eine Null. Eine sehr große Null. Eine Null, die euch vielleicht schockieren wird. Eine Null, die viele von euch mit einem Kopfschütteln quittieren werden. Ich habe mir kein einziges, ich wiederhole, kein einziges Buch für mich von der Leipziger Buchmesse 2019 mitgebracht, weder gekauft, noch geschenkt, noch gewonnen. Nix. So, jetzt ist es raus. 

Und ihr so?


Freitag, 1. März 2019

Hogwarts in Potsdam - Harry Potter Exhibition

Habt ihr das Gleis 9 3/4 gefunden? Habt ihr eure Zauberstäbe dabei? Wurdet ihr vom sprechenden Hut einem Haus zugewiesen? Dann seid herzlich willkommen in Hogwarts!


Seit dem 13. Oktober 2018 stehen die Türen der Harry Potter Exhibition in Potsdam für Zauberer, Muggel und alle anderen Besucher offen. Und es heißt sich zu beeilen, denn Einlass zur Exhibition bekommt man nur noch bis zum 10. März 2019.

Für uns war der 19. Februar 2019 der Tag unserer Reise nach Hogwarts. Mit zugewiesener Einlasszeit standen wir vor der Flügeltür, hinter der, die Ausstellung beginnen würde. Ein Tourguide stellte Fragen und erst danach öffnete sich die Zaubererwelt. Natürlich musste der sprechende Hut noch entscheiden, in welches Haus man gehörte. Ein Glück, dass dem jungen Teeniegefieder mit ihrer Wahl zum Hause Slytherin zu gehören, der Hut nichts entgegen zu setzen hatte. Also rein in den Hogwartsexpress und los ging die wilde, zauberhafte Austellungsreise.


Auf etwa 1.600 Quadratmetern finden Potterfans und solche die es werden wollen, Kostüme, Ausstattungsstücke und Kreaturen aus der Welt und Schulzeit des Harry Potter. Nach der Premiere der Ausstellung im Jahr 2009 in Chicago, ist sie bereits viel herum gekommen. So konnten Menschen in Boston, Toronto, Seattle, New York, Sydney, Singapur, Tokio, Köln, Paris, Shanghai, Brüssel, Madrid und vor Potsdam in Mailand beispielsweise die Schulkleidung von Harry, Ron und Hermine, Hagrids Hütte oder Seidenschnabel bestaunen und sich so in Richtung Hogwarts träumen. 

Mich hat vor allem die Atmosphäre beeindruckt. Auch wenn es nur Einbildung sein mag, ich hatte in dem Moment das Gefühl nicht in Potsdam, nicht in Deutschland zu sein. Es war ein Traum, eine Welt voller Phantasie, die durch die Exponate zum Leben erwacht ist. Ich würde mich im Gegensatz zu meiner Tochter nicht als Potterfan bezeichnen. Ich mochte die Filme, habe die Bücher aber nie gelesen. Doch hier in dieser Ausstellung war das vollkommen egal. Es mag komisch klingen, aber ich fühlte mich geborgen. Geborgen und dass, obwohl auch Todesser anwesend waren.


Oder Hagrid. Gut, nur seine Kleidung und seine Hütte. Aber meine Herren, ist Hagrid groß, also so wirklich wirklich groß. Harry war ja ziemlich klein, als er ihm das erste Mal begegnete. Als Erwachsener denkt man dann, dass Hagrid ein ziemlich großer Mann sein muss. Aber so groß? Ja, er ist groß. Wahrscheinlich so groß, wie der, dessen Namen nicht genannt werden darf, gruselig ist. Lord Voldemort, der ebenfalls nur gewandet anwesend war, aber doch ziemlich unheimlich, wie sich sein Gewand dank leichtem Luftstroms bewegte. Ähm, ja, die Todessermasken daneben trugen nicht weniger zum beklemmenden Gefühl bei. 

Immer wieder gab es Interessantes zu entdecken, auch wenn man selbstverständlich die Ausstellungsstücke nicht berühren darf. Dennoch gab es auch Dinge, deren Ausprobieren ausdrücklich gewünscht wurde. Alraunen ziehen zum Beispiel. Ihr Quietschen klingt mir jetzt noch im Ohr. Schaurig. Aber leicht lassen sie sich nicht umtopfen, ganz sicher nicht. Oder man spielt eine Runde Quidditch. Gar nicht so leicht, die Ringe zu treffen. Aber wenn man es schafft, dann wird auch das tonmäßig unterlegt.


Wir waren ca. 2,5 Stunden in der Ausstellung. Das lag vor allem daran, dass wir uns haben treiben lassen. Alles versucht haben in uns aufzunehmen und mitzunehmen. Wir haben ein Foto mitgenommen, auf dem wir zwei in der Halle uns mit Zauberstäben gegenüberstehen. Selbstverständlich haben wir auch den Merchandise Shop um das ein oder andere leerer gemacht. Aber keine Sorge, es war noch ausreichend Material zum Kaufen vorhanden, als wir die heiligen Hallen von Hogwarts verließen.