Donnerstag, 2. März 2017

Nachts die Schatten - Helwig Arenz


Wenn ich jetzt weitergehe, dann greift der Schatten nach mir! Doch wenn ich hier stehen bleibe, dann werde ich mein ganzes Leben immer wieder stehen bleiben. Also stelle ich mich meinen Ängsten, auch wenn es weh tut und ich mich ausgeliefert fühle. Die Angst geht vorbei und mein Mut wird wachsen.



Georg befindet sich mitten in der Pubertät. Gesegnet mit zwei starken älteren Brüdern, die ihm einerseits Halt geben und andererseits foppen, ist sich der junge, empfindsame Mann seiner Selbst nicht immer so sicher. Ständig stellt er sich in Frage, versucht nicht immer nur der kleine Junge zu sein, der nachts noch bei Mama ins Bett kriecht, wenn die Schatten kommen. Georg sieht Geister. Sie verfolgen ihn, im Dunkeln in seinen Träumen. Sie lauern auf der Kellertreppe und wollen ihn beeinflussen. Dabei will Georg nur eins. Er will zu den Großen gehören, auch wenn deren Ansichten er nicht immer teilen will. Und doch lässt er sich mitreisen. Denn da gibt es noch etwas anderes, was ihn gerade verändert. Ihr Name ist Judith und sie scheint für ihn unerreichbar...

"Nachts die Schatten" ist ein aufwühlender Roman, der zeigt, dass die Phase des Erwachsenwerdens nicht nur positive Seiten hat. Die Geschichte, die sich mit der Adoleszenz eines Jungen befasst, zeigt mal in verstörender und dann wieder poetischer Weise, wie sehr die Seele Höhen und Tiefen durchlebt. Helwig Arenz hat dabei eine sehr klare Sprache, die mit wenig Schnörkel auskommt. Die Übergänge von langen Textpassagen zu direkter Rede schaffen dabei ein angenehmes Tempo. An einigen Stellen scheint Helwig Arenz mit der Wahrnehmung des Lesers und sogar mit seiner Hauptfigur zu spielen, denn ab und zu ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich, ob man sich im Traum, der Wirklichkeit oder in Georgs Phantasie befindet. 



Die Figuren, die hier gezeichnet wurden, sind vor allem eins. Authentisch! Von außen betrachtet, mag die Phase des Erwachsenwerdens nicht als schwer begriffen werden und doch zeigt uns der Protagonist, wie sehr er im Inneren doch kämpft. Mit sich, mit seiner Einstellung, seinen Gefühlen und mit seinem Umfeld. "Nachts die Schatten" ist kein leichter Roman, er braucht Zeit. Die Zeilen wollen sich auch im Inneren des Lesers festsetzen und zu neuen Überlegungen anregen. Schnell hat man als Erwachsener vergessen, wie schwer die Phase dorthin oftmals war. Hier zeigt Helwig Arenz, dass sich vor allem auch das Umfeld, der in der Adoleszenz befindlichen Jugendlichen, feinfühliger zeigen könnte. Der Schluss lässt vielleicht so manchen irritierten Blick zurück. Der Roman selbst ist jedoch voller verschiedener Eindrücke in die Welt einer Familie und deren alltäglichen bzw. nicht so alltäglichen Probleme.

Helwig Arenz konnte im Nestchen bereits mit seinem Roman "Der böse Nik" überzeugen. Dieser Roman bekommt ebenfalls eine klare Leseempfehlung, auch wenn er hier und da irritierende Gedanken im Köpfchen zurückließ.


Nachts die Schatten - Helwig Arenz
Gebundene Ausgabe - ars vivendi Verlag - Belletristik
ISBN 978-3-869-13720-9 - Preis: (D) 18,00 € / (A) 18,50 €

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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