Sonntag, 27. März 2016

Am Ostersonntag im Nestchen...


...versuchen wir Traditionen zu bewahren und einen alten Brauch zu begleiten, wenn auch nur als Zuschauer. Die Rede ist vom Osterreiten, einer Prozession, die ihren Ursprung bereits vor fast 500 Jahren hatte. Sie ist ein Teil der sorbisch-katholischen Bevölkerung in der Oberlausitz. Jedes Jahr am Ostersonntag ist sie auch ein Teil der Buchgefieder-Familie. Dann wird nach einem ausreichenden Frühstück und einer ca. 45 minütigen Fahrt mit der Sonne um die Wette gelacht. Sehr selten haben wir es erlebt, dass die Prozession im Regen stattfinden musste. So auch heute nicht. 



Die helle Scheibe lachte vom Himmel, als wir uns mit weiteren "Schaulustigen" auf den Weg zur Ralbitzer Kirche machten. Direkt gegenüber beginnt unsere Ostersonntags-Familientradition. Die Kirche läutet 12 Uhr am Mittag. Nur wenige Minuten später läutet sie erneut. Stärker, ausdauernder und verkündet so, die Ankunft der beinah 500 Reiter der Partnergemeinde Wittichenau in Ralbitz. Die Straßen sind gesäumt von Menschen des Dorfes, von Familien der Osterreiter und von Touristen. Sogar aus Tschechien und Österreich sind in diesem Jahr Menschen vor Ort. 


Die Osterreiter reiten in Ralbitz ein und es wird still. Nur der Gesang der Männer ist zu hören. Sie verkünden die Auferstehung Christi. Sie singen in deutscher und sorbischer Sprache, umrunden immer wieder die Kirche. In ihren Anzügen wirken sie festlich und erhaben. Ihre Pferde sind mit Blumen geschmückt und die zum Teil sehr unterschiedlichen Rösser tragen am Schweif eine bestickte Schleife. Die Osterreiter haben die ganze Aufmerksamkeit aller Umstehenden. Zu ihnen wird nicht nur rein visuell aufgeschaut. Immer wieder ziehen sie an uns vorbei. Hier und da geschmückt mit einem grünen, silbernen oder goldenen Kranz auf der Brust. Grün tragen Reiter, die das erste Mal an dieser Prozession teilnehmen. Silber steht für die 25. Teilnahme und Gold für die 50.. 


Lange sind sie schon unterwegs. Seit drei Stunden reiten sie von Wittichenau nach Ralbitz und die Ralbitzer sind auch dem Weg nach Wittichenau. Kein Wunder also, dass nicht nur Reiter sondern auch die Pferde müde werden und auch nervös. Immer wieder passiert es, dass ein Pferd einen Reiter nach unten befördert. Doch heute ist es ruhig. Der Großteil der Pferde scheint mit dem Reiter zu harmonieren. Das macht es auch für die Menschen am Rand der Prozession zu einem großartigen Ostersonntag-Erlebnis. 


Nach dem die Auferstehung verkündet wurde, reiten die Osterreiter in verschiedene Höfe ein, die ihre Tore weit geöffnet haben. Hier finden die Reiter und ihre Pferde für ca. 2 Stunden Ruhe und Nahrung. Es versteht sich von selbst, dass zu allererst die Pferde versorgt werden. Dann dürfen sich auch die Reiter etwas ausruhen. Sie werden von den Frauen des Ortes bewirtet, bevor es am Nachmittag nach einem Gottesdienst drei Stunden zurück in die Heimatgemeinde geht. Der Ostersonntag eines Osterreiters ist lang. Bereits früh morgens gibt es gegen 5:00 Uhr einen Gottesdienst, der die Reiter und Pferde segnen soll. Und doch gibt es jedes Jahr viele junge Männer, die diese Prozession gern begleiten möchten. 

Für uns heißt es, nach dem die Reiter in den Höfen sind, wieder ins Nestchen zu fahren. Dann beginnt die Ostereiersuche im heimischen Garten und die Sonne lacht immernoch. Unsere Vogelkinder sind froh, dass sie noch etwas gefunden haben. Wir wissen, wie schön es ist, wenn auch so alte Traditionen wie das Osterreiten nicht ihren Glanz verlieren und genug junge Männer ihren Weg auf ein Pferd finden. Wir hoffen, dass wir diesen Brauch noch sehr lange begleiten dürfen.

Wie sieht es denn bei euch aus? Habt ihr bestimmte Bräuche in eurer Umgebung? Oder ist es an Ostern eher das traditionelle Ostereier bemalen und suchen? Ich freue mich über eure Kommentare!


Kommentare:

  1. Hallo liebe Karin,
    was für eine tolle Tradition. Ich habe davon leider bisher noch nie etwas gehört, aber ich finde es klasse. Ich hoffe, dass die Reiter auch gut zurückgekommen sind. Kennst du denn einer der Reiter?
    Liebe Grüße und noch ein schönes Osterfest. Habt ihr einige Eier gefunden?
    Sandra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Sandra,

      noch habe ich nichts Negatives zur Prozession gehört und ich hoffe, wie du, dass alle Reiter und Pferde in den kommenden Minuten wieder heil zuhause ankommen werden. Mein Mann stammt ursprünglich aus der Gegend, wo heute noch diese Prozession stattfindet. Leider kennen wir heute niemanden mehr persönlich dort. Trotzdem fahren wir jedes Jahr hin.

      Ja, wir haben heute Nachmittag noch etwas im Garten gefunden, also die Kinder eher... ;)

      Ganz liebe Grüße und noch ein frohe Osterfest für dich!
      Karin

      Löschen
  2. Hallo liebe Karin! :)

    Was für in toller Brauch! Wir haben sowas leider nicht, allerdings gibt's bei uns den Leonhardiritt. Das ist eine Prozession zu Ehren des heiligen Leonhard von Limoges ein Schutzpatron der landwirtschaftlichen Tiere. Bei der Prozession werden die Tiere auch geschmückt und gesegnet. Wirklich sehr schön! :) Deine geknipsten Fotos zum Umzug sind übrigens toll geworden.

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

    PS: Dein Blog ist wirklich sehr schön, da bleibe ich gerne als Leserin! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dankeschön liebe Nina für deinen herzlichen Kommentar. Da hab ich auch gleich wieder etwas gelernt. :) Ich werde mir die Tage mal ein Päuschen auf deinem Blog gönnen.

      Ganz liebe Grüße
      Karin

      Löschen

Ich freu mich über euer Gezwitscher!