Freitag, 5. Februar 2016

Das grüne Rollo - Heinrich Steinfest


Ein Fenster, ohne Vorhänge, ohne Jalousie, einfach zum Hinaussehen oder umgekehrt zum Hineinsehen. Licht aus dem Zimmer leuchtet hinaus in die Nacht. Der Mond leuchtet zurück, direkt durch das Fenster, erhellt des nachts das Zimmer mit seinem Bewohner. Niemand wollte dieses Fenster mit etwas versehen, was dieses Licht ausschließt. Und doch ist da, ganz geheimnisvoll und ohne jede Vorwarnung ein Rollo...ein grünes Rollo!



Theo ist zehn Jahre alt, als ihm an seinem Fenster das erste Mal dieser grüne Stoff auffällt. Ein Rollo, kein Zweifel. Aber wer hat es angebracht? Und warum rollt es sich immer um die gleiche Uhrzeit von allein aus und warum ist es denn gerade grün. Theo merkt, dass von diesem Rollo eine Energie ausgeht, die im zunächst Angst macht, der er sich aber nicht entziehen kann. So beginnt er seine Reise, durch das Rollo hindurch. In eine Welt, die ganz anders und doch parallel zu seiner zu verlaufen scheint. In Nidastat scheinen manche Dinge anders, aber auch unschöner zu laufen. Immer wieder ist von Bestrafungen die Rede. Und dann trifft Theo auf Anna, ein Mädchen, was seine Hilfe braucht...

"Das grüne Rollo" aus der Feder des Autors Heinrich Steinfest ist ein Roman, der anfangs mit viel Hang zum Fantastischen, aber auch zum Nachdenken einher geht. Die beinah drei Teile des Buches unterteilen drei Sichtweisen auf das Leben des Theo. Im ersten Teil ist er 10 Jahre alt und macht zum ersten Mal Bekanntschaft mit besagtem Rollo und der Welt darin. Im zweiten Abschnitt ist er ein gestandener Mann von 50 Jahren, der seinen Geburtstag im Weltall feiert, als Astronaut auf dem Weg zum Mars. Die größte Überraschung erliest sich der Leser dann aber im dritten und letzten Teil. Heinrich Steinfest hat eine sehr bildhafte Sprache, die es leicht macht, sich in die Szenerie hinein zu sehen und auch zu versetzen. Die dabei verwendeten Worte sind leicht lesbar und gut zu verstehen. Die Geschichte des Theo März ist eine sehr berührende, wenn anfangs beinah märchenhafte und abenteuerliche. Im Laufe des Plots befindet sich der Leser immer wieder in Abwägungen, was die Begriffe des Guten oder des Bösen, des Seins oder des Scheins darstellen. Hier werden erste Vermutungen angestellt, wie die Geschichte wohl ihren Lauf nimmt und mit welchem Schluss sie endet. Am Buchende wird man mit etwas sehr Realem konfrontiert. Dies macht Heinrich Steinfest auf eine sehr informative Art und Weise, die sehr ruhig und trotzdem sehr verzaubernd wirkt. Seine Figuren lässt er einerseits sehr authentisch agieren um im nächsten Moment mit eher skurrilen Charakteren und vor allen Szenen aufzubieten. "Das grüne Rollo" ist eine Art Kameraaufnahme in die Seele und die Vorstellungskraft eines Menschen. Wer sich darauf einlässt, wird nicht nur mit einer wirklich hervorragend ausgearbeiteten Geschichte belohnt, sondern auch dazu animiert über die wirklich wichtigen Dinge in seinem eigenen Leben nach zu denken. 


Heinrich Steinfest ist ein österreichischer Schriftsteller und wurde 1961 geboren. Seine ersten eher surrealen literarischen Werke veröffentlichte er bereits Mitte der 1990er Jahre. Auch in seinen aktuellen Geschichten findet sich immer wieder dieser Hang zum Fantastischen, der zumeist mit viel Logik aufgeklärt wird. Mit der Erfindung eines einarmigen Detektives im Genre der Kriminalliteratur waren im auch in diesem Bereich zahlreiche Leser sicher. 2009 erhielt er den Stuttgarter Krimipreis.

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Das grüne Rollo - Heinrich Steinfest - Gebundene Ausgabe
Piper Verlag - Belletristik
ISBN 978-3-492-05661-8 - Preis: 19,99 €

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

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