Freitag, 26. Februar 2016

Blühender Lavendel - Barbara Hagmann


Sie soll beruhigend wirken, sie soll einem Parfum die entsprechende Note verleihen, dem Essen einen provenzalischen Geschmack geben und manchmal sogar eine gewisse Einschlafhilfe sein. Eine Pflanze mit aufrecht stehenden, stark verästelten Zweigen und mit einem Blütenstand, der zwar grauviolett ist, aber aus der Ferne an ein lilafarbenes Meer erinnert.


Herbert ist ein betagter Mann, der das Grab seiner Mutter liebevoll pflegt und es mit Lavendelsträuchern bepflanzt. Er erinnert sich gern an seine Kindheit, die aber seltsamerweise ein paar Lücken aufzuweisen scheint. Zu seinen älteren Schwestern hat er keinen Kontakt. Er macht den Anschein eines Eigenbrötlers, braucht strikt seine Ordnung und möchte am liebsten keinerlei Kontakt mit anderen menschlichen Wesen, schon gar nicht mit deren Bakterien an den Händen. Simone ist Mitte 30 und wurde soeben von ihrem Freund entlassen. Herbert ist ihr Arbeitskollege und für sie nicht weiter von Bedeutung. Nur etwas schrullig findet sie den älteren Herrn, der täglich den gleichen Anzug anzuhaben scheint. Und diesen Duft, oder sollte sie es Gestank nennen, den er so nach sich zieht, den sie nicht zu definieren im Stande ist. Herbert füllt ihn ab, diesen Duft. Er erinnert ihn an seine geliebte Mutter. Eine Mutter, auf die er nie etwas hat kommen lassen, seit sie tot ist. Doch dann hat er ein unerwartetes Wiedersehen mit seinen Schwestern...


"Blühender Lavendel" ist das Debüt von Barbara Hagmann, in dem sie zeigt, dass unsere Erinnerungen nicht immer mit der vergangenen Realität übereinstimmen müssen. Vielmehr ist es möglich seine eigene Geschichte zu verschönen, wenn man diverse Strategien entwickelt. Mit ihrem Protagonisten hat sie zwar einen sehr schrulligen, wenn auch ordnungsfanatischen Mann erschaffen, der mit seinen Eigenarten voll im Leben steht, bei dem uns jedoch ebenfalls bewusst wird, was man im Leben alles verdrängen kann. Aber auch die anderen agierenden Personen wurden mit diversen Macken versehen, die zum einen Kopfschütteln als auch -nicken hervorrufen. So erscheinen sie menschlich und vor allem glaubhaft. Barbara Hagmann hat eine sehr stilsichere Art zu schreiben, wobei der Roman vordergründig wenig an Dialogen zu bieten hat. Der Plot erschließt sich dem Leser nach und nach mit diversen Erläuterungen zum Leben der einzelnen Personen. Diese zwischendrin erscheinenden Szenen sind ab und an nicht ganz fließend für ein uneingeschränktes Lesevergnügen, tun dem Gesamteindruck des Romanes nicht schlecht. Das Ende ist eine Art Knall, der sich lange Zeit aufgestaut hat und durchaus vorhersehbar ist, wenn man die kleinen Hinweise der Autorin im Plot richtig deutet. Die Aufmachung des Buches ist sehr stilvoll, Cover und Titel passen sehr zum Inhalt. Hier merkt man die Liebe zum Detail des Riverfield Verlages, der seinen Sitz in der Schweiz hat. Dieser noch recht junge Verlag, dessen Gründung im Herbst 2014 war, versucht sich vordergründig Büchern zu widmen, die Geschichten zu erzählen haben, die mehr zu bieten haben als nur Spannung und durchdachtes Plotten. Der Riverfiel Verlag  will vor allem menschliche Geschichten erzählen. 

Barbara Hagmann wurde 1974 geboren und lebt mit ihrer Familie in Zürich. Sie arbeitet als freie Journalistin und hat mit ihrem Roman "Blühender Lavendel" ihren ersten Roman verlegen lassen.

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Blühender Lavendel - Barbara Hagmann - Belletristik
Gebundene Ausgabe - Riverfield Verlag
ISBN 978-3-952-44637-9 - Preis: 28,90 Euro

Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


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