Dienstag, 25. August 2015

"Kein Mensch ist wie der andere, aber jeder andere ist ein Mensch wie Du."





Aphorismus von Harald Schmid

Lange habe ich heute hier gesessen und nachgedacht. Ich habe Aphorismus um Aphorismus gelesen, um den einen zu finden, der mir passend erschien für mein Motto der Woche. Ich habe einige gefunden, die ich euch nachfolgend noch zitieren möchte. In den letzten Tagen und Wochen gab es immer wieder schreckliche Bilder zu sehen, Bilder von "Menschen" wie sie auf andere Menschen losgehen und das nur, weil sie ihnen fremd sind. Erfahrungen mit Flüchtlingen hatten und haben wohl die wenigsten, die diese Gewalt verherrlichen. Hinter einer hetzenden Meute herzurennen ist doch viel einfacher, als seine Meinung gründlich zu hinterfragen. Eine Antwort zu finden, warum verfalle ich in blinden Hass auf Menschen, die ich nicht kenne, die hier in meinem Land leben wollen, weil es in ihrem nicht mehr friedlich möglich ist. Was treibt diese Spezies an, die ich persönlich nicht als Menschen sehen kann, auf Flüchtlingsunterkünfte loszugehen, die Menschen darin in Angst zu versetzen und dabei noch zu denken, das was sie selbst da tun, tun sie mit gutem Recht? 

Ich habe lange geschwiegen. Warum? Ich möchte ehrlich sein, denn das bin ich vor allem mir selbst schuldig. Ich habe und hatte etwas Angst. Nicht vor den Flüchtlingen, nicht vor Menschen die anders sind, nein, ich fürchte mich vor Menschen, die andere aufhetzen, die ihr Gedankengut in andere hineinpflastern, die Dinge erzählen, die nicht der Wahrheit entsprechen, die eine andere Meinung nicht dulden, die jegliche Hemmungen verloren haben, einschließlich dem Respekt anderen Menschen gegenüber. Ich fürchte mich, weil ich Menschen kenne, die zu den "besorgten Bürgern" gehören, die zu meinem Entsetzen, zu einem Kreis zählen, von denen ich solch eine Einstellung nie erwartet hätte. 

Und doch schreibe ich hier jetzt meine ganz persönlichen Gedanken dazu auf. Teile euch und vor allem diesen Menschen mit, dass ich dieses Denken nicht teilen kann, will oder jemals werde. Ich bin jemand, der zu allererst in meinem Gegenüber einen Menschen erkennt, egal woher er kommt, welche Hautfarbe er hat, welche Einstellung er pflegt. Aber das, was ich in den letzten Tagen vermehrt lesen musste, entsetzt mich, lässt mich frieren. Wie kommen wir dazu, anderen Menschen, die genug erlebt und erlitten haben, solch negative Botschaften zu senden? Damit muss Schluss sein! Glaubt ihr allen Ernstes diese Flüchtlinge kommen nach Deutschland um euch zu bestehlen, um euch ihre Religion auf zu zwingen, um euch und euren Familien etwas an zu tun, was sie womöglich noch vor wenigen Wochen an ihrer eigenen Familie erlebt haben? Spielt es wirklich eine Rolle, ob diese Menschen vor einem Krieg, vor der politischen Verfolgung oder vor wirtschaftlicher Not in ein Land fliehen, in dem sie niemanden kennen, dessen Sprache sie nicht sprechen, deren Sitten sie nicht verstehen? Alles nur, weil sie euch etwas Böses wollen?

"Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen. 
Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge."
Ernst Ferstl

Ist es so schwer etwas mehr menschlich zu sein? Erst denken, dann handeln. Vor allem erst selbst einen Eindruck verschaffen, eine eigene Meinung bilden und nicht einer Meute hinterher rennen, die nur eines will, alle beeinflussbaren Menschen um sich zu scharren und zu behaupten, in ihrem Sinne zu handeln. Das tun sie nicht, ganz und gar nicht, denn genau wie sie der Politik vorwerfen nichts zu tun, wie sie Flüchtlinge verabsolutieren, genauso nutzen sie euch, als leichtgläubige besorgte Bürger für ihre Belange. Wollt ihr wirklich, dass solche Menschen entscheiden, was gut und was schlecht für euch ist? Ich wünsche euch mehr Zeit zum Nachdenken, bevor ihr etwas unterstützt, bei dem ihr zu spät bemerkt, dass es falsch war. Damit möchte ich aber auch sagen, das unsere Regierung hier am Zug ist. Auch hier sollte eine klare Stellungnahme her und zwar schnell, so kann das nicht weitergehen.

"Nur denkende Menschen kommen in den Genuss der Erfahrung, 
daß etwas ganz anders ist, als man es sich gedacht hat."
Ernst Ferstl

(c) tollabea
Selber denken ist anstrengend, vor allem nicht nötig, wenn man Menschen um sich hat, die diese Aufgabe für einen übernehmen. Ich möchte für mich entscheiden, was ich tue, wann ich es tue und wie ich es tue. Und ich habe mich entschieden, entschieden für eine Aktion mit dem Namen "Blogger für Flüchtlinge", initiiert von wunderbaren Menschen, die es ebenfalls Leid sind, die endlich etwas tun wollen, die ein Willkommen aussprechen. Ich schließe mich gern an und ich habe auch meinen Beitrag, zunächst in einer Spende bei betterplace.org , geleistet. Ich würde gern mehr tun, bin mir aber noch nicht im Klaren, wie das aussehen wird. Aber ich denke beinah täglich darüber nach und ich bin mir sicher, dass mir da noch die passende Idee oder Hilfe einfallen wird. Es gibt mittlerweile glücklicherweise genügend Anlaufstellen, bei denen man sich erkundigen kann. 

"Dann nimm doch einen Flüchtling bei dir auf!", höre ich schon einige Asylgegner schreien. "Hoffentlich lernst du dann daraus!" Solche Äußerungen nehme ich nicht ernst und werde sie, sofern sie unter diesem Post erscheinen auch ohne Kommentar löschen. Es ist für mich eine Aussage, die mir zeigt, das Menschen meist schneller reden als zu denken.

"Doch guter Menschen Hauptbestreben. Ist, andern auch was abzugeben." 
Wilhelm Busch

Ihr müsst nichts von eurem Hab und Gut abgeben, sofern ihr das nicht wollt oder könnt. Ihr braucht nur etwas Zeit, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Hinterfragen, Zeit zum Erkundigen, Zeit für Gespräche. Das allein ist schon viel und es zeigt vor allem eure Meinung. Teilt die Aktion, zeigt Gesicht und vor allem zeigt, dass ihr Menschen seid, die in anderen auch Menschen sehen. Im Social Media dürft ihr dazu gern den Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge verwenden. Tragt eure Gedanken hinaus, seid mutig, dann werden es auch andere sein. 

Mittlerweile gibt es bereits eine Vielzahl an sehr lesenswerten Blogbeiträgen, die ich nicht alle hier auflisten kann, aber ich empfehle euch einen der ersten Beiträge, geschrieben von Karla Paul auf ihrer Buchkolumne. Dort und auf der direkten Blogger für Flüchtlinge - Seite findet ihr auch alle weiteren Hinweise zur Aktion!


1 Kommentar:

  1. Hut ab und willkommen im Klub. Deine Gedanken sprechen Bände. Ich hoffe, sie werden viele Augen öffnen...

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Ich freu mich über euer Gezwitscher!