Mittwoch, 3. Juni 2015

Ich bin. - Sandra Plaar

"Warum muss ausgerechnet mir diese Sch... passieren?" Habt ihr euch solch eine Frage schon einmal gestellt? Sicherlich wird der ein oder andere gedacht haben, was habe ich verbrochen oder in meinem Leben falsch gemacht, dass ausgerechnet mir so etwas passiert? Warum muss ich so etwas erleben? Doch was könnte dieses Etwas sein? Ein Einbruch, eine Scheidung, die im Rosenkrieg endet, einen Unfall oder wie in Sandra Plaars Fall eine Krankheit, die sehr heimtückisch ist.

Sandra möchte mit ihrem damaligen Freund eine Asienreise unternehmen. Rein aus vorbeugender Maßnahme nimmt sie zwei Tabletten. Eine Malariaprophylaxe, nichts schlimmes, im Gegenteil, sie soll normalerweise Schlimmes verhindern. Doch genau diese zwei Tabletten ändern ihr Leben auf eine fatale Art und Weise. Sandra leidet und erhält die Diagnose "Lyell-Syndrom". Ein Wort, welches ihr Ausmaß sich nicht erahnen ließ. Was sie damals erlebt hat, welchen schweren Kampf sie führen musste, davon handelt ihr Buch.

Sandra Plaar erzählt in ihrem biographischen Buch ihren schlimmsten Moment in ihrem Leben. Vollkommen aus dem Leben wird sie gerissen und steht nicht nur einmal kurz vor der Schwelle zum Tod. Doch die Autorin ist voller Leben, voller Kraft, auch wenn die Krankheit zuweilen die Oberhand gewinnen mag. Sandra kämpft sich Stück für Stück ins Leben zurück. Erleidet weitere Schicksalschläge und stellt doch nie die Frage: "Warum gerade ich?". Nach dem Warum zu fragen, führt einfach nicht zu einem Ergebnis. Aber die Frage: "Was kann ich für mich daraus ziehen?", die stellt sie sich. Vollgestopft mit Emotionen und in beinah salopper Art und Weise schreibt sie ihre Gedanken und Gefühle, ihre Begegnungen mit Ärzten und Menschen in ihrem Umfeld, ihr auf und ab, in kurzen nicht ausufernden Sätzen nieder. Hier und da erkennt der Leser eine Art Selbstironie, etwas humoristische Äußerungen. Genau dieser Schreibstil mag einigen zu leicht daher kommen, vielleicht sogar befremdlich wirken, wenn man ihre Geschichte bedenkt. Aber es macht sie menschlich, es zeigt, dass Sandra Plaar mit ihrem Schicksal nicht hadert, sondern der Krankheit ins Gesicht lacht, so schwer ihr das auch fallen mag. Sie zieht ihre ganz eigenen Stärken aus ihrem Leben. Mit ihrem Buch will sie kein Mitleid erlangen, vielmehr möchte sie Mut machen. Mut nicht über das Warum nachzudenken, sondern Mut sein Schicksal, seine Krankheit anzunehmen, es als Teil zu sehen, von dem was man ist. In jeder negativen Situation im Leben steht auch eine neue Chance. Eine Chance sein Leben selbst zu gestalten, seinen Träumen nach zu gehen und viel Liebe in dieser Welt zu verteilen. Mit ihrem Buch "Ich bin." hat Sandra trotz des tragischen Hintergrundes eine Hommage an das Leben und die Liebe zu ihm geschrieben. Dem Leser wird mit jedem Kapitel klar, dass es egal ist, was andere von einem denken. Einzig die Einstellung zur eigenen Person ist von Wichtigkeit. Einzig der Wille, etwas zu schaffen, diese Krankheit zu bekämpfen, macht Sandra zu der Person, die sie heute ist. Dieses Buch ist einerseits voller schrecklicher Erlebnisse und doch lässt es den Leser nicht bedrückt, sondern eher gestärkt und voller Enthusiasmus auf das Leben zurück. Füllen sich hier oder da beim Lesen die Augen voller Tränen, so kann man am Ende feststellen, dass nur solche Ereignisse, so schwer sie auch sind, zu einem Selbst führen werden. Sandras Botschaft ist klar. Man sollte sein Leben selbst in die Hand nehmen und sollten einem Schicksalsschläge den Weg versperren, so gibt es immer wieder eine Chance auf einen neuen Weg und wenn es zu Beginn nur ein kleiner Pfad ist.

Ich bin. - Sandra Plaar - Biographie
Novum Verlag - Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-990-38781-8 - Preis 21,30 €

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