Mittwoch, 26. März 2014

Die unterirdische Sonne - Friedrich Ani ❀ ❀ ❀ ❀

Die unterirdische Sonne
Friedrich Ani
Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-570-16261-3
Preis: 16,99 €
Jugendbuch empfohlen ab 16 Jahren

Ein unscheinbares Haus auf einer Insel. In ihm ganz unten im Keller, ohne Sonnenlicht sitzen fünf Jugendliche. Zwei Mädchen und drei Jungen. Sie werden in der Dunkelheit gefangen gehalten. Jeden Tag wird einer von ihnen nach oben zu den dort wohnenden drei Erwachsenen geholt. Was sie dort erleben, dürfen sie sich nicht untereinander erzählen, sonst müssen sie sterben, wird ihnen gesagt. Doch sie ahnen, was der jeweils andere dort oben zu spüren bekommt. Leon ist am längsten da, beinah ein Jahr ist er in diesem Keller gefangen. Maren hat angefangen zu stottern. Sophia hält an ihrem Glauben zu Gott fest. Conrad und Eike sind voll von Wut, Angst und Verzweiflung. Alle fünf fühlen sich mehr tot als lebendig. Bis eines Tages ein Junge in den Keller gebracht wird, der anders ist. Noah lässt sich keine Angst einjagen. Er ist bereit zu kämpfen.

"Die unterirdische Sonne" ist ein ziemlich beklemmender Roman zu einem Thema, welches am liebsten gar nicht oder nur wenig in der Jugendliteratur zu finden ist. Vielleicht wird es aus diesem Grund auch viel diskutiert. Es ist ein lesenswerter, wenn auch beängstigender Jugendroman, der mit einer Altersempfehlung ab 16 Jahren einher geht. Friedrich Ani hat einen sehr eigenen Schreibstil, der manchmal sehr sachlich wirkt um im nächsten Moment etwas dichterisches zu erhalten. Ani arbeitet vor allem viel mit direkter Rede. Das wiederum macht das Lesen sehr rasant, manchmal leider auch etwas verwirrend. Auch wenn man als Leser einige Reaktionen der Protagonisten nicht nachvollziehen kann, so sind sie doch authentisch. Wie würde man selbst in so einer Situation reagieren und fühlen? Vor allem wenn man gerade zwischen 11 und 14 Jahren alt ist. Diese Frage kann man nicht beantworten. Die Charaktere sind unterschiedlich gezeichnet, wollen aber nicht direkt vor dem geistigen Auge sichtbar werden. Trotzdem ist ihr agieren untereinander durchaus nachvollziehbar. Friedrich Ani bringt das Thema der Geschichte auch nicht direkt auf den Punkt, sondern versucht durch allerlei Anspielungen, das Kopfkino jeden einzelnen Lesers zu aktivieren. Das mag bei dem einen nicht sehr weit führen, sofern er sich nicht auf das Thema einlässt, bei einigen wird dies allerdings ziemliche Beklemmungen hervorrufen. Deshalb ist dieses Buch nichts für zartfühlende Leser und die Altersempfehlung durchaus berechtigt. 

(c) Random House / Isabelle Grubert
Friedrich Ani wurde 1959 in Deutschland geboren. Bekannt wurde er durch seine Kriminalromane und erhielt in der Zeit ab 1994 diverse Auszeichnungen für seine schriftstellerischen Arbeiten. Etliche seiner Werke wurden bisher in mehrere Sprachen übersetzt. Heute lebt der Autor in München. Mit einem Zitat von ihm lässt sich auch seine neuestes Werk einwenig besser verstehen. ["Der Kriminalroman zwingt zum Hinschauen in die Gegenwart, das Drama des in seinem Lebenszimmer gefangenen Menschen gelingt mir mit dem Krimi am besten, ohne dass es mir auf Mord und Totschlag und spektakuläre Plots ankäme. In meinen Krimis bestimmen die Langsamkeit und das Schweigen den Handlungsablauf, wobei ein gewisses Maß an genreüblicher Spannung unerlässlich bleiben muss. Darüber hinaus lassen sich im Genre Krimi immer wieder neue Türen öffnen. So beschäftige ich mich fast ausschließlich mit Verschwundenen und Vermissten und der Suche nach ihnen."]

Kommentare:

  1. Hört sich sehr interessant an, aber auch 16 als Leseempfehlung finde ich noch ziemlich schwierig, oder? Ich wüsste nicht, wem ich es zu lesen geben sollte....

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    1. Hallo liebe Anne, ich denke, ich weiß was du meinst. In erster Linie wäre ich auch nicht für 16 Jahre sondern eher für Erwachsene. Aber, es gibt zwischenzeitlich soviele Jugendroman, die nicht nur mit dem Denken des Lesers spielen sondern haarklein über Dinge schreiben, die für mich in dieses Genre noch nicht gehören. Daher gibt es sicherlich einige "junge" Leser, die bereits schlimmeres gelesen haben ohne das ein Erwachsener dieses weiß. Aber ich gebe dir auch Recht, ich persönlich kenne keinen 16jährigen, dem ich das Buch ans Herz legen würde, was aber für mich nichts daran ändert, dass es zumindestens aus meiner Sicht lesenwert ist.
      Ganz liebe Grüße
      Karin

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  2. Die Altersempfehlung halte ich auch für sinnvoll und der Roman ist sicher harter Tobak. Trotzdem sollte er von vielen gelesen werden, damit in Zukunft vielleicht einigen Kindern oder jungen Menschen ein ähnliches Schicksal erspart bleibt.

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Ich freu mich über euer Gezwitscher!